Nachbericht Festival 2025

23.12.2025

Hemmersdorf Pop Festival 2025 – Review
(von Manuela Lay,
Besucherin von Beginn an)

Und da sind sie auch schon wieder vorbei – 3 Tage Musikfestival auf dem gar nicht mal so platten Land in Hemmersdorf. Wir sind Wiederholungstäter und seit der ersten Festival-Ausgabe dabei (bei jeder Ausgabe – selbst weltweite Viren konnten uns nicht abhalten). Seit diesem Jahr gehört das #HDP endlich zu den Leuchtturmprojekten im Saarland („Großes entsteht im Kleinen“ wo trifft das besser zu als hier beim Festival?!)

Die zusätzliche finanzielle Unterstützung ist hör- und sehbar – vor allem in der Festival Lounge in der Grenzlandhalle, wo die Bühne in diesem Jahr optisch und akustisch so richtig was daher macht. An dieser Stelle ein riesen Lob an Sound- und Lichttechnik. Kirchen und Turnhallen sind nicht gerade einfach zu beschallen und dem Festsaal in Guerstling hat es donnerstags beinahe das Dach weggeblasen. Das Lob geht natürlich auch an alle helfenden Hände hinter der Bühne, die innerhalb kürzester Zeit Bühnen auf- und abgebaut haben. Die Taktung zwischen den Konzerten ist ganz schön sportlich, dabei müssen wir als Besucher nur zwischen Lounge und Kirche hin und her wandern.

Wie in den Jahren davor kennen wir nicht alle 19 Bands/Musiker/Musikerinnen, aber das macht nichts. Auf die, die wir kennen, freuen wir uns und auf die anderen sind wir gespannt. Das macht schließlich den Reiz dieses Festivals aus. Den Anfang in der Kultur-Kapelle am Oberlimberg haben wir zeitlich leider nicht geschafft, also starten wir in Guerstling mit Josefine Opsahl, die mit Hilfe einer Loopmaschine ein einzelnes Cello wie ein komplettes Orchester klingen lässt (beeindruckend auch das Outfit – vor allem die Schuhe). Mit Tara Nome Doyle geht es dann eher ruhig und verträumt an diversen Keyboards/Synthesizer weiter. Und dann kommt der Kracher und mein persönliches Highlight des ersten Abends: Josy Basar aus Metz. Ich mag die Sleaford Mods – Josy Basar ist die Sleaford Mods gekreuzt mit dem Duracell Hasen – er ist einfach großartig, rockt das Haus und reißt die Bühne ab. So geht der erste Tag mit Tinnitus-Fiepen im Ohr und einem breiten Grinsen im Gesicht zu Ende.

Tag 2 und 3 beginnen bereits um 17 Uhr, was für viele Besucher leider zu früh ist und sie daher weder mit den fantastischen Irnini Mons abrocken noch den wunderschönen Songs von Dressed Like Boys in der Lounge lauschen können. Der Song „Lies“ gefällt mir in der abgespeckten Festival-Version fast noch besser als die Version, die ich aus dem Radio kenne.

Der SR ist auch wieder dabei und zeichnet – leider nur die Konzerte in St. Konrad – auf. Ich kann jedem nur wärmstens empfehlen sich die Konzerte anzuhören, sobald sie im Radio oder in der Mediathek zu hören sind.

St. Konrad – Tag 2

  • Sofi Paez ist trotz aller Steine, die die Deutsche Bahn ihr in den Weg gelegt hat, pünktlich angekommen und legt einen beeindruckenden Festivalauftakt hin – Augen schließen und einfach ihr Klavierspiel genießen. Zur Not reichen wir auch Hustenbonbons an, wir haben nicht nur warme Decken im Handgepäck.
  • Manu Delago an den Handpans und seine Band/Chor sind sensationell (und ich möchte in Zukunft bitte auch nur noch von einem 3stimmigen Frauenchor angekündigt bzw. verabschiedet werden). Der Sound der Handpan ist allein schon ein Klangerlebnis, aber wenn dann Kontrabass und diese Harmoniegesänge dazu kommen fühlt sich das einfach nur wohlig warm an. Auch wenn die Songs eigentlich von Schnee und Eis handeln.
  • Kessoncoda oder wenn sich Schlagzeug und Keyboard zum Duell gegenüberstehen. Füße-stillhalten ist unmöglich und gelegentlich geht der Blick zur Decke, ob die Dübel am Kreuz noch halten (überprüft die eigentlich jemand vor und/oder nach den Konzerten?!)

St. Konrad – Tag 3

  • Yana – es geht wieder etwas ruhiger mit Klavier und Streichern los. Und da ist er wieder, dieser Sound, der die Konzerte in der Kirche so besonders macht.
  • Goodwin feat. Lambert – das Klaviersolo von Lambert zum Einstieg ist schon unglaublich, aber dann kommt Goodwin bzw. dessen unfassbar tiefe Stimme dazu. Wieder ein Auftritt, der wie im Flug vorbei ist.
  • to Athena machen den Abschluss in St. Konrad. Neben ausgesprochen schöner Musik bekommen wir einen Crashkurs in Schwyzerdütsch, damit wir auch richtig mitsingen können.

Bei den Konzerten in der Festival Lounge darf dann auch getanzt werden (je später der Abend, desto mehr trauen sich nach vorne – nächstes Jahr gibt es dann Moshpit und Stagediving)

Festival Lounge – Tag 2

  • Irnini Mons aus Frankreich machen Musik irgendwo zwischen Indie und Punk und außerdem richtig gute Laune. Ich pack dann mal wieder meine „Künstler, die ich gerne nochmal live sehen möchte Liste“ aus und notier mir den Bandnamen.
  • Tara Lily macht ziemlich coolen Jazz und wenn Iggy Pop sagt, die Frau ist gut, kann und sollte man dem Herrn einfach nur zustimmen. Da hätte ich auch gerne mehr davon gehört.
  • Al-Qasar – so hört es sich an, wenn sich Menschen aus dem Iran, Frankreich, Marokko und den USA zusammentun. Es ist Rock mit arabischem Einschlag und es ist extrem tanzbar.
  • Anushka Chkheidze beendet Tag 2 mit Elektro, Pop, Techno – wie auch immer man es nennen mag.

Festival Lounge – Tag 3

  • DressedLikeBoys – der sympathische jungerMann aus Belgien wird mit Sicherheit in der Zukunft noch den ein oder anderen Ohrwurm schreiben. Langsam habe ich keinen Platz mehr auf meiner „Künstler, die ich gerne nochmal live sehen möchte Liste“.
  • Tom Liwa & Flowerpornoes – melancholische Texte zu schöner Musik- irgendwie poppig aber dann auch wieder nicht. Die Flowerpornoes und Tom Liwa geben alles und würden auch gerne noch mehr geben, aber der nächste Act steht schon in den Startlöchern.
  • XIXA – auf die Herren aus Tucson habe ich mich im Vorfeld am meisten gefreut. Das letzte Konzert in Dudelange ist schon viel zu lange her. Man fühlt sich sofort wie in einem Sergio Leone Western (nicht nur weil sie zu Ennio Morricone auf die Bühne ziehen). Es ist schlagartig 20 Grad wärmer in der Halle und nach dem Konzert kann man sich den Wüstensand Arizonas aus den Schuhen kippen.
  • ECHT! – ein würdiger Abschluss für die Festival Lounge. Irgendwas zwischen Techno, Trance, Trip-Hop – aber mit echten Instrumenten. Wie auch immer – es geht in die Beine.

Wer an den beiden Tagen dann noch Energie hat, kann im Jugendtreff die letzten Künstler abfeiern und auf der Aftershowparty weiterfeiern. Wir müssen feststellen, wir werden alt und haben daher weder den Hemmersdorfer Rapper YSEIY & noch den Mambo Schinki aus Luxemburg gesehen. Nächstes Jahr machen wir von Donnerstag bis Montag Urlaub. Dann schaffen wir es nicht nur zu allen Konzerten, sondern haben auch noch Zeit zum Erholen. #HemmersdorfPopFestival – wir sehen uns 2026.